Zwillingsschwangerschaft: Verlauf, Anzeichen, Wahrscheinlichkeit & Risiko

Eine Zwillingsschwangerschaft ist für viele werdende Eltern eine freudige Überraschung. Denn sie dürfen ihr Elternglück künftig im Doppelpack genießen.

Doch wie bei jeder Mehrlingsschwangerschaft, kommen auch bei einer Schwangerschaft mit Zwillingen nicht unbegründet besorgte Fragen auf.

In diesem Ratgeber zur Zwillingsschwangerschaft erfahren werdende Eltern

  • wie sich Zwillinge im Verlauf der Schwangerschaft entwickeln
  • welche Anzeichen und Symptome auftreten
  • wie hoch die Wahrscheinlichkeit einer Schwangerschaft mit Zwillingen ist
  • warum sie als Risikoschwangerschaft eingestuft wird.

Zwillingsschwangerschaft – Entwicklung und Verlauf im Bauch der Mutter

Eine Zwillingsschwangerschaft kann sich in zwei unterschiedliche Richtungen entwickeln, die das Geschlecht, das Aussehen und die Charaktereigenschaften der Babys bestimmen.

Diese Entwicklungsformen sind die Schwangerschaft mit eineiigen (monozygoten) oder mit zweieiigen (dizygoten) Zwillingen. Selten können aus einer eineiigen Zellteilung auch siamesische Zwillinge entstehen.

Teilt sich eine befruchtete Eizelle bereits im sehr frühen Verlauf der Schwangerschaft in zwei Zellkerne mit identischen Erbinformationen und somit in zwei voneinander unabhängige Embyrone, so entstehen aus dieser Zwillingsschwangerschaft eineiige Zwillinge.

Eineiige Zwillinge gehen getrennte Wege zur Gebärmutter, wo sie sich in einer jeweils separaten Fruchthöhle im Bauch der Mutter einnisten und einzeln versorgt werden. in seltenen Fällen können sie sich auch eine Fruchthöhle teilen.

Wenn sich eine befruchtete Eizelle erst im späteren Verlauf der Schwangerschaft fehlerhaft in zwei Zellkerne teilt, die bereits bestimmte Organanlagen gemeinsam ausgebildet haben, entstehen daraus siamesische Zwillinge. Dadurch sind sie an bestimmten Körperteilen (z.B. Brustkorb, Bauch, Steiß, Kopf) miteinander verbunden.

Wenn in einem Zyklus zwei Eizellen reifen und gleichzeitig von zwei Spermien befruchtet werden, können zweieiige Zwillinge entstehen. Diese Eizellen nisten sich unabhängig voneinander in der Gebärmutter ein und haben jeweils eine eigene Plazenta, die sie versorgt.

Alle Unterschiede & Fakten über eineiige, zweieiige und siamesische Zwillinge

Eineiige Zwillinge

  • Entwicklung durch eine einzelne Eizelle
  • in der Regel getrennte Fruchthöhle / Plazenta
  • gleiches Geschlecht
  • identische Erbinformationen
  • Aussehen identisch
  • gemeinsamer Blutkreislauf (mögliche Schwangerschaftskomplikation)

Zweieiige Zwillinge

  • Entwicklung durch zwei Eizellen
  • getrennte Versorgung
  • unterschiedliches oder gleiches Geschlecht
  • unterschiedliche Erbanlagen
  • individuelle äußere Merkmale
  • getrennter Blutkreislauf

Siamesische Zwillinge

  • Entwicklung der Zwillingsschwangerschaft durch fehlerhafte Zellteilung im späteren Verlauf der Schwangerschaft
  • komplette Teilung der Embryonen meist nicht mehr möglich
  • Kinder sind an bestimmten Körperteilen miteinander verbunden
  • Wahrscheinlichkeit für Verwachsungen: Brustbereich (70%), Bauch (34%), Steiß (18%), Sitzbein (6%), Kopf (2%)

Erste Anzeichen und Symptome einer Zwillingsschwangerschaft erkennen

Erste Anzeichen und Symptome einer Zwillingsschwangerschaft gleichen den Anzeichen und Beschwerden, die auch bei einem regulären Verlauf der Schwangerschaft mit Einzelkindern auftritt. Aus diesem Grund sind keine eindeutigen Hinweise erkennbar.

Allerdings lässt sich eine Schwangerschaft mit Zwillingen bereits im ersten Schwangerschaftstrimester (zwischen der 8. SSW und 12. SSW) im Ultraschall beim Frauenarzt feststellen.

Typische erste Anzeichen und Symptome sind somit:

  • Müdigkeit
  • Übelkeit
  • Bluthochdruck
  • Schwangerschaftsstreifen, Krampfadern
  • Wassereinlagerungen in den Beinen
  • Kurzatmigkeit
  • erhöhte Gewichtszunahme aufgrund zwei Babys
  • ständiger Harndrang
  • im Ultraschall sichtbar

Wahrscheinlichkeit einer Zwillingsschwangerschaft

Grundsätzlich steigt die Wahrscheinlichkeit für eine Zwillingsschwangerschaft mit zunehmendem Alter der Frau. Denn je älter die Frau ist, desto höher ist die Wahrscheinlichkeit, dass das follikelstimulierende Hormon FSH zwei Eizellen gleichzeitig reifen lässt.

Wurden in einer Familie bereits Zwillinge geboren, ist die Wahrscheinlichkeit, zweieiige Zwillinge zu bekommen, aufgrund der Erbanlagen entsprechend noch höher.

Bei einer Zwillingsschwangerschaft handelt es sich meist um zweieiige Zwillinge. Denn eineiige Zwillinge entstehen durch Zufall und werden auch durch keine Erbanlagen innerhalb der Familie beeinflusst.

Weitere Faktoren, die die Wahrscheinlichkeit für Zwillinge fördern, sind  auch Hormonbehandlungen bei Unfruchtbarkeit (z.B. eine heterologe Insemination).

Zwillingsschwangerschaft

Eine Zwillingsschwangerschaft ist eine doppelte Überraschung für werdende Eltern. Allerdings gilt sie als Risikoschwangerschaft und muss deshalb gut beobachtet werden.

Ist die Zwillingsschwangerschaft eine Risikoschwangerschaft?

Kurz gesagt: Ja. Eine Zwillingsschwangerschaft wird grundsätzlich als Risikoschwangerschaft eingestuft. Denn bei einer Mehrlingsschwangerschaft treten Schwangerschaftskomplikationen häufiger auf. Deshalb leiden werdende Mütter im Verlauf stärker unter Schwangerschaftsbeschwerden und werden häufiger ärztlich untersucht.

Mögliche Komplikationen, die während der Risikoschwangerschaft auftreten, sind beispielsweise vorzeitige Wehen, ein Blasensprung oder ein erhöhtes Risiko für eine Frühgeburt. Zwillinge kommen häufig bis zu drei Wochen vor dem errechneten Geburtstermin auf die Welt als Einzelkinder.

Ist eine optimale Versorgung der Zwillinge mit Nährstoffen aufgrund einer Plazentainsuffizienz nicht mehr gewährleistet, muss bei dieser Risikoschwangerschaft gegebenenfalls die Geburt eingeleitet oder ein geplanter Kaiserschnitt durchgeführt werden. Eine Kaiserschnittgeburt ist vor allem dann medizinisch notwendig, wenn bei der Zwillingsschwangerschaft ein deutlicher Unterschied in der Gewichtszunahme der beiden Babys vorliegt.

Dieser Ratgeber gehört zur Artikelserie zum Thema Zwillinge. Überblick aller Ratgeber:


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