Muttermundschwäche in der Schwangerschaft: Ursache, Risiko & Behandlung

Unter einer Muttermundschwäche in der Schwangerschaft (Zervixinsuffizenz) versteht man die Schwäche und vorzeitige Öffnung des Gebärmutterhalses. Der Gebärmutterhals bleibt normalerweise bis zum Einsetzen der Wehen verschlossen, um die Gebärmutter und das Baby vor Infektionen durch Bakterien zu schützen. Hat sich der Muttermund bereits trichterförmig geöffnet, so spricht man von einem verkürzten Gebärmutterhals.

Die Folgen einer  unbehandelten Muttermundschwäche in der Schwangerschaft können im schlimmsten Fall zu einer Fehlgeburt oder Frühgeburt führen.

In diesem Ratgeber zur Zervixinsuffizenz erfahren Sie

  • welche Symptome und Ursachen eine Muttermundschwäche in der Schwangerschaft hat
  • welches Risiko ein verkürzter Gebärmutterhals birgt
  • wie die Diagnose und Behandlung einer Gebärmutterhalsschwäche mittels Cerclage erfolgt
  • wie hoch die Erfolgschance der Cerclage ist und welche Möglichkeiten zur Vorbeugung es gibt

Muttermundschwäche in der Schwangerschaft: Symptome und Ursachen

Eine Muttermundschwäche in der Schwangerschaft tritt meist zwischen dem 4. und 6. Schwangerschaftsmonat (13. SSW bis 24. SSW) auf. Sie kann durch verschiedene Ursachen ausgelöst werden, die sich durch unterschiedliche Symptome bemerkbar machen. Deshalb ist eine eindeutige Diagnose der Ursache oft schwierig. Häufige Ursachen für den Defekt am Gebärmutterhals sind allerdings:

  • in der Vergangenheit durchgeführte Operationen in der Gebärmutter, z.B. Konisation (keilförmige Entfernung von Gewebe)
  • Infektionen durch Bakterien und andere Erreger
  • genetische Fehlbildungen
  • vergangene Schwangerschaftskomplikationen am Muttermund, insbesondere Geburtsverletzungen
  • Hormoneinflüsse

Eine Muttermundschwäche in der Schwangerschaft entwickelt sich meist ohne offensichtlich spürbare Anzeichen und Symptome. Deshalb bleibt sie bei vielen Schwangeren bis zu ihren ersten Schwangerschaftsuntersuchungen beim Frauenarzt unbemerkt.

Muttermundschwäche in der Schwangerschaft
Eine Muttermundschwäche in der Schwangerschaft beschreibt ein vorzeitiges Öffnen des Gebärmutterhalses. Dieses kann je nach Schwangerschaftsfortschritt eine Fehlgeburt oder Frühgeburt auslösen.

Risiko einer Muttermundschwäche in der Schwangerschaft: verkürzter Gebärmutterhals

Wenn der Frauenarzt bei der Ultraschalluntersuchung einen verkürzten Gebärmutterhals diagnostiziert, bedeutet das, dass sich der innere Muttermund schon trichterförmig geöffnet hat.

Dieses sogenannte „Funneling“ kann als Indiz für mögliche vorzeitige Wehen angesehen werden. Je nachdem inwieweit die Schwangerschaft bereits fortgeschritten ist, können diese vorzeitigen Wehen das Risiko für eine Frühgeburt oder Fehlgeburt erhöhen.

Im Ultraschall lässt sich die Gebärmutterhalslänge genau messen:

  • misst der Gebärmutterhals eine Länge von 3 cm bis 2,5 cm, befindet sich alles noch im grünen Bereich
  • ist der Gebärmutterhals allerdings auf eine Länge von weniger als 2,5 cm verkürzt, werden zusätzliche intensivere Untersuchungen nötig

Schwangere Frauen, die bereits vorangegangene Fehlgeburten nach der 15. SSW erlitten oder in der Vergangenheit sehr unreife Frühgeburten hatten, haben ein zusätzlich erhöhtes Risiko für eine Muttermundschwäche in der Schwangerschaft. Aus diesem Grund sind ihnen grundsätzlich engmaschigere Untersuchungen vorgesehen.

Diagnose und Behandlung einer Muttermundschwäche mittels Cerclage

Mithilfe gynäkologischer Tast-Untersuchungen oder per Ultraschall stellt der Frauenarzt eine Zervixinsuffizenz fest.

Dabei ist die Ultraschalluntersuchung allerdings die zuverlässigste Methode, da sie gleichzeitig eine genaue Messung der Gebärmutterhalslänge ermöglicht. Anhand der Länge des Gebärmutterhalses kann schließlich das Risiko für eine Fehlgeburt oder Frühgeburt eingeschätzt und mögliche Methoden zur Behandlung abgeleitet werden.

Ist die Diagnose der Muttermundschwäche in der Schwangerschaft bereits sehr früh erfolgt (bis zum 4. Schwangerschaftsmonat, 13. SSW bis 16. SSW), so kann eine Cerclage durchgeführt werden.

Im Rahmen einer Operation unter Narkose wird eine Cerclage (ein Kunststoffband) um den Gebärmutterhals gelegt, die diesen für den Rest der Schwangerschaft zusammenzieht. Nach diesem Eingriff bis zur Entbindung und Entfernung der Cerclage sollte die Schwangere unbedingt auf Geschlechtsverkehr verzichten. Die Entfernung der Cerclage erfolgt ungefähr zwei Wochen vor dem Geburtstermin.

Alternativ kann auch ein Gummi-Ring („Cerclage-Pessar„) über den Muttermund gezogen werden, wenn kein Eingriff unter Narkose gewünscht ist.

Erfolgschancen der Cerclage und Tipps zur Vorbeugung einer Muttermundschwäche in der Schwangerschaft

Viele Experten sind der Meinung, dass eine Cerclage nur bei betroffenen Schwangeren sinnvoll ist, die:

  • einen Spätabort hatten (zwischen der 17. SSW und 36. SSW)
  • eine Frühgeburt hatten
  • einen verkürzten Gebärmutterhals mit einer Länge von weniger als 2,5 cm haben

Zudem sollte immer daran gedacht werden, dass eine Cerclage keine Frühgeburt, Fehlgeburt oder vorzeitige Wehen zu 100 Prozent verhindern kann. Allerdings lässt sich durch den Eingriff wertvolle Schwangerschaftszeit gewinnen.

In einer Studie zu schwangeren Frauen des mittleren Trimenons, die einen verkürzten Gebärmutterhals von weniger als 2,5 cm haben, ist die Frühgeburt-Rate gesunken, nachdem sie Progesteron als Vaginalgel zur Behandlung verwendeten. Diese Methode kann daher möglicherweise als Ansatz zur Ergänzung zur Cerclage dienen.

Zur Vorbeugung einer Muttermundschwäche in der Schwangerschaft empfiehlt es sich zudem, auf eine gesunde Scheidenflora zu achten. Regelmäßige Messungen des pH-Wertes der Scheide helfen, ein potentielles Risiko für Bakterien und Erreger frühzeitig zu erkennen.

Betroffene Schwangere sollten zudem strikte Bettruhe einhalten und sich körperlich schonen.

Dieser Beitrag ist Inhalt unseres Ratgebers zum Thema SchwangerschaftskomplikationenWeitere Themen:



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